Kunst
Über die Literatur hinaus ist Bernhard Aichner seit Jahren auch als bildender Künstler erfolgreich.
Seit Beginn seiner schriftstellerischen Laufbahn pflegt Aichner einen außergewöhnlichen Zugang zu Sprache und Schrift. Literarisch hat er seinen eigenen Ton gefunden; der Sound, mit dem er seine Geschichten erzählt, ist zu seinem Markenzeichen geworden – genauso wie seine Arbeitsweise. Aichner schreibt die Erstfassungen seiner Romane konsequent analog. Seine Handschrift ist Ursprung, Werkzeug und Ausdruck zugleich.
Aichner widmet sich der Kalligraphie, Schrift rückt ins Zentrum seiner bildnerischen Arbeit. Texte werden in ihre Einzelteile zerlegt: Sätze, Wörter, Buchstaben – er setzt sie neu zusammen, spielt mit Form, Untergrund und Farbe. Er schreibt und überschreibt das Geschriebene, vertikal und horizontal, er webt Text-Teppiche aus Strichen, Punkten und Linien. Seine Arbeiten entziehen sich konsequent einer rationalen Lesbarkeit und verweigern sich dem Zwang der Deutbarkeit.
Aichner experimentiert mit existierenden Schriftsystemen, erschafft aber auch sein individuelles Alphabet aus Zeichen: eine ganz eigene Schrift, die er ohne Regeln als expressives, bildnerisches Medium einsetzt. Die entstandenen Zeichen erinnern an archaische Systeme wie Hieroglyphen, sind geheimnisvoll – sie offenbaren und verbergen zugleich. Transportieren Emotionen statt Informationen. Es ist, so sagt Aichner, „sein literarisches Herzblut“ mit dem er auf Papier und Leinwand malt.